Überblick

Das 18. Jahrhundert

–  ein Jahrhundert gekennzeichnet von Neuerungen, Umbrüchen und Kriegen –  

Das 18. Jahrhundert ist das Zeitalter der Aufklärung und damit der Beginn der Moderne in Europa. Es wurde jedoch nicht nur die Moderne eingeleitet, sondern es wurden auch über 20 Kriege in Europa geführt, meist Erbfolgekriege und Koalitionskriege, deren Auslöser fast ausschließlich auf die Machtfrage in den europäischen Königreichen zurückzuführen sind. Erschwert wurde das Ganze durch die Tatsache, dass viele Gebiete aus Kleinstaaten mit Fürstenhäusern, freien Städten oder kleinen Rittergütern bestanden – alleine in Deutschland gab es über 300 – die meist untereinander zerstritten waren. Die bedeutendsten Königshäuser, die zu dieser Zeit in Europa regierten waren in Frankreich, Österreich, Spanien, Preußen, England, Russland und Schweden.

Noch die längste Zeit herrschte fast unangefochten der Adel, in einigen Ländern noch immer in der Manier des Absolutismus. Als Gegenbewegung zu Krone und Kirche war die Philosophie der Aufklärung allerdings auch im Stande einige Monarchen, die sich als aufgeklärte Monarchen verstanden, zu beeinflussen. Am Ende des 18. Jahrhunderts kam es dann dazu, dass der so genannte Dritte Stand oder das Bürgertum politische Macht oder Teilhabe gewann. Ein Meilenstein in dieser Entwicklung war die Französische Revolution, die 1789 zu einem Aufstand des Volkes führte und zum Ergebnis hatte, dass nichtadlige Politiker politische Macht erhielten. Sie führten erst eine gemäßigt-monarchistische, später eine republikanische Verfassung ein. Die Prinzipien von “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” wurden in der „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte” festgeschrieben und an die Stelle des Gottesgnadentums trat die Volkssouveränität, welche eine Voraussetzung für die Entstehung des modernen Staates, sowie für politische Richtungen, war. Parteien und Ideologien bildeten sich langsam heraus und die Forderung nach Emanzipation der Frauen kam erstmals auf. Verwirklicht wurden viele Vorstellungen jedoch erst im 19. oder gar 20. Jahrhundert.

In wirtschaftlicher Hinsicht erhielten die alten merkantilistischen Ideen, die eine große Rolle des Staats vorsehen, Konkurrenz vom moderneren Wirtschaftsliberalismus den Adam Smith 1776 formulierte. Dabei stellte er auch die sich entwickelnde Soziale Frage dar. Zudem waren im 18. Jahrhundert nicht nur die Anfänge der Industriellen Revolution unübersehbar, vor allem in Großbritannien, sondern es konnte sich auch die neuzeitliche Wissenschaft weiterentwickeln und gab somit der Landwirtschaft sowie der Warenproduktion neue Impulse.

Im Umfeld von Aufklärung und Revolutionen wurden im 18. Jahrhundert vielfältige Gedanken formuliert und Werke präsentiert, die bis heute als Referenz gelten. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ ein. Herausgegeben von Diderot und d’Alembert, sollte die Enzyklopädie das gesamte Wissen seiner Zeit dem breiten Volk zugänglich machen und so auch brisante Informationen verbreiten. Einige weitere Persönlichkeiten von großer Relevanz wären beispielsweise Johann Sebastian Bach im Bereich der klassischen Musik, die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt in Forschung und Bildung, sowie Isaac Newton in der Physik und Leonhard Euler in der Mathematik. Außerdem legte eine Reihe bedeutender Philosophen, wie John Locke, die Grundlagen für die modernen Staaten.

Im 18. Jahrhundert ereignet sich nicht zuletzt die Professionalisierung und Kommerzialisierung der Kultur. Neue kulturelle Institutionen wie die Entstehung des Buchmarktes, des Berufsschriftstellertums und der Literaturkritik, Leihbibliotheken und Kaffeehäuser sowie die wachsende Verbreitung von Zeitungen und Zeitschriften gehen Hand in Hand mit der Ausweitung des Lesepublikums und befördern damit auch die Demokratisierung von Kunst und Literatur. Der Roman als neue literarische Gattung entsteht, und das Jahrhundert ist durch die Entwicklung vom Klassizismus zur Romantik gekennzeichnet.

Eine Auswahl wichtiger Ereignisse

  • Glorious Revolution 1688: Durchsetzung der Bill of Rights als Grundlage für das heutige parlamentarische Regierungssystem im Vereinigten Königreich
  • Act of Union 1707: Schottland und England schließen sich zum Königreich Großbritannien zusammen
  • Spanischer Erbfolgekrieg 1701-1714, Österreichischer Erbfolgekrieg, War of Jenkins‘ Ear, Siebenjähriger Krieg à Folge: Aufstieg Großbritanniens zur europäischen Großmacht und zur führenden Seemacht
  • Zeitalter der Aufklärung
  • 1759 Lösung des Längenproblems durch John Harrison
  • Unabhängigkeitserklärung 1776 und Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika
  • 1766-1769 : Louis Antoine de Bougainvilles Weltumseglung
  • ab ca. 1770: Wissenschaftliche Entdeckungen und Frühphase der Industriellen Revolution
  • James Cook umrundet die Welt
  • 1789: Französische Revolution

 

Eine Auswahl wichtiger Persönlichkeiten

  • Mary Wollstonecraft, englische, politisch-feministische Autorin
  • Elisabeth Vigée Le Brun, eine der berühmtesten Porträtmalerinnen Europas
  • Johann Sebastian Bach, Komponist
  • Edmund Burke, Kritiker der Französischen Revolution, „Vater des Konservativismus“
  • George Gordon Byron genannt Lord Byron, britischer Dichter
  • Canaletto, italienischer Maler
  • James Cook, englischer Entdecker
  • Voltaire, französischer Schriftsteller und Philosoph
  • Alexander von Humboldt, deutscher Naturforscher
  • Maximilien de Robespierre, französischer Revolutionär
  • Jean-Jacques Rousseau, französischer Schriftsteller und Philosoph
  • John Locke, britischer Staatstheoretiker
  • Gottfried Wilhelm Leibniz, deutscher Philosoph, Mathematiker, Diplomat, Historiker und politischer Berater der frühen Aufklärung
  • Isaac Newton, englischer Physiker
  • Jane Austen, englische Schriftstellerin

 

Eine Auswahl wichtiger Erfindungen